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FAMADIHANA oder die Umbettung der Toten


Famadihana
Famadihana

Es gibt viele traditionelle Feste in Madagaskar, die dem Totenkult gelten. Eines davon ist die FAMADIHANA, die von vielen ethnischen Gruppen ausge& uuml;bt wird. Jede Gruppe hat ihre eigenen Br& auml;uche das Fest zu feiern. Bei einigen ist es nur symbolisch, bei anderen ein riesiges Fest. Die Gruppe der Sakakalva im Westen z.B. feiert die Umbettung nur alle vier Jahre, dann aber gleich eine Woche lang. Der Name dieses Festes ist hier Fitampoha. Im zentralen Hochland wird die erste Umbettung fr& uuml;hestens drei Jahre nach dem Tod der Person gefeiert. Dann nach f& uuml;nf, sieben, neun Jahren usw. Wenn die Familie kein Geld hat, f& auml;llt die Umbettung aus und wird nachgeholt wenn man gut bei Kasse ist. Aber immer nur in ungeraden Jahren nach dem Tod. Die FAMADIHANA wird nur in der kalten Jahreszeit, dem S& uuml;dwinter, von Juni bis September abgehalten. Und nicht zuletzt ist eine FAMADIHANA das Familientreffen schlechthin.

FAMADIHANA : das Wort stammt vom zentralen Hochland und entstammt der offiziellen Merina-Sprache. Kein Fremder weiss um die wahre Bedeutung des Wortes. Auch wenn er in der Region wohnt und arbeitet, kennt er den spirituellen Sinn des Festes normalerweise nicht. Die Vorbereitungen f& uuml;r eine FAMADIHANA beginnen ein oder zwei Jahre vorher, da die ganze Familie sparen muss um das Ereignis zu finanzieren. Zwei oder drei Monate vor der Umbettung wird der traditionelle Spiritist um Rat und nach dem exakten Datum befragt.

Die Festlichkeit selbst dauert zwei oder drei Tage. Der erste Tag dient der Vorbereitung. Das Grab wird gereinigt oder bemalt und Schweine oder Rinder werden geschlachtet. Die Mahlzeit f& uuml;r die Familie und die eingeladenen Freunde und Nachbarn wird vorbereitet. Die Familie trifft heute zusammen und das ist die beste Gelegenheit sich selbst vorzustellen.

Abends und nachts findet die grosse Tanzparty statt. Es gibt viel TOAKA GASY, lokaler Rum zu trinken. Manchmal werden typische Volkslieder, die TANDONAKA, gesungen. Bis zwei, drei Uhr nachts geht das Freudenfest. Andererseits beginnt die Familie schon um diese Zeit das Essen vorzubereiten. Es heisst VARY BE MENAKA: viel & Ouml;l wird mit viel mehr Reis gemischt als man braucht, um alle Anwesenden zu bek& ouml;stigen. Das heisst es wird unbegrenzt gegessen, und man kann fortfahren solange man will, auch wenn alle anderen schon l& auml;ngst aufgeh& ouml;rt haben. Danach, gegen Mittag, wird das neue Leinen f& uuml;r die Toten vorbereitet und man macht sich schick um zum Grab zu gehen, dem H& ouml;hepunkt der Feierlichkeiten.

Am Grab wird die madagassische Nationalhymne gespielt und der & #132;president du fokontany& #147;, der Orts- oder Gemeindevorsteher, h& auml;lt eine Ansprache, in der er erkl& auml;rt, dass das Fest eine offizielle, vom Staat genehmigte Veranstaltung ist. Anschliessend spricht der Familien& auml;lteste. Diese Ansprachen dauern manchmal recht lange und man sollte keine Ungeduld zeigen. Dann wird das Grab ge& ouml;ffnet und die Gebeine aus dem Grab geholt. Man bringt sie in die Sonne und nach einiger Zeit wechselt und erg& auml;nzt man das Leinen. Die Familie zeigt ihre Trauer & uuml;ber die Toten und besonders die Frauen weinen. Die Feierlichkeit dauert an bis die Dunkelheit hereinbricht. Aber vor halb f& uuml;nf m& uuml;ssen alle Toten wieder zum Grab zur& uuml;ck gebracht worden sein. Am Ende wird abermals die madagassische Nationalhymne gespielt.

Der dritte Tag ist der Tag des HIRA GASY, des madagassischen Liedes. Gleich indonesischem Denken oder Glauben, glaubt man auch in Madagaskar, dass die toten K& ouml;rper weiterleben. Das heisst z.B., wenn es draussen kalt ist und wir frieren, frieren auch sie. Auch ist der Glaube, dass die Toten direkt zu Gott sprechen, und allen Kummer und die famili& auml;ren Probleme zu Geh& ouml;r bringen k& ouml;nnen, so dass Gott diese l& ouml;sen kann.



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© by Klaus Sperling, 2001, 2003