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Hira Gasy


Hira Gasy



Die einstigen Hofmusikanten tanzen und singen noch heute ihre königliche Mission


Von Juni bis September, wenn der Reis eingebracht ist und die Erde ruht, steigen im Hochland die großen Familienfeste.

Die Rituale von Totenumbettungen und Beschneidungen und Hochzeiten werden von einem aufsehenerregenden und lautstarken Spektakel begleitet, dessen Wurzeln weit in die Geschichte zurückreichen, als Madagaskar noch ein unabh& auml;ngiges Königreich war.

Zur Zeit der militärischen Feldzüge in die Weiten der Großen Insel, um Madagaskar unter einer Krone zu einen, kehrten die Krieger auch mit menschlicher Beute zurück, um sie dem Souverän als Sklaven zu unterwerfen. Einigen Gefangenen, die von der Ostküste stammten, gelang es, die Königin Ranavalona I. von deren musikalischen Talenten zu überzeugen, so dass sie zu Hoftänzern und Hofsängern ernannt wurden, welche der Königin zur Unterhaltung dienen sollte.

Mehr und weniger sind sie im Laufe der Zeit sogar zu Vermittlern zwischen dem Palast und dem Volk geworden. Einerseits trugen sie dem Hof musikalisch und in tanzender Weise die Neuigkeiten aus dem weiten Königreich zu, andererseits hatten sie den Auftrag, die königlichen Verordnungen in szenischen Darbietungen im weiten Land zu verkünden.

Der Nachfolger der Königin, Sohn Radama II., hat die " mpilalao " später dann in eine Uniform gekleidet. Auch heute noch haben die Hira Gasy Kostüme den damals angeordneten Schnitt.

Ihrer großen Aufgabe bewusst, wird die Berufung zum Hufmusikanten von einer Generation an die folgende übertragen. Daraus ist ein wahre Zunft entstanden, mit einem exakten Kodex, wie Freude und Unterhaltung unter das Volk zu bringen ist.

Oft findet das Hira (madagassisch : Gesang) Gasy als Wettbewerb zwischen zwei oder mehreren Gruppen statt. Schiedsrichter ist das Publikum. Applaus und Höhe der eingesammelten Münzen bestimmen den Sieger.

Der moderne Stadtmensch betrachtet diese ungebrochen vital Tradition mit einer Spur von Misstrauen. Die Musiker fühlen sich fest in der Kultur des Gasy verankert. Mit einfachen Worten üben sie gelegentlich eine herbe Kritik an der Macht, welche die Moderne auf die in der Tradition verhafteten Landbevölkerung ausübt.


Zitiert aus : Hain-Tany Merina, poésies populaires malgaches, recuellis et traduites par Jean Paulhan, Foi et Justice, 1991



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© by Klaus Sperling, 2001, 2003