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Bad Dürkheimer bietet in Madagaskar Naturerlebnisse pur

Bei der Flussfahrt auf dem Tsiribihina kann die Seele baumeln / Wanderungen in den Tsingy

Von Klaus Heimer, Antananarivo


"Salu vazaha!" Diese freundliche Begrüssung durch die vielen Kinder entlang der 160 Kilometer langen Flussroute im Bereich des "Wilden Westens" von Madagaskar dürfte den Teilnehmern einer von dem Bad Dürkheimer Klaus Sperling geleiteten internationalen Reisegruppe sicher noch lange in den Ohren klingen. Wo die Gruppe auch auftauchte, wurde sie von fröhlichen Mädchen und Jungen herzlich willkommen geheissen. Die "vazaha" (bedeutet "Fremder") sind in der abgelegenen Region eher selten anzutreffen und so stellt deren Ankunft stets eine willkommene Abwechslung dar.

Klaus Sperling (47), seit sechs Jahren auf seiner persönlichen, vor der Südostküste Afrikas gelegenen Trauminsel zu Hause und verheiratet, hat sich mit seinem Reisebüro "roadhouse voyages" auf herrliche Flussfahrten auf dem bis zu mehrere hundert Meter breiten Tsiribihina bis hin zu den Tsingy (Kalksteinnadel-Gebirge) und auf Wanderungen zu den Zafimaniry-Dörfern im Hochland, in denen die bekanntesten Holzschnitzer der Insel leben, spezialisiert.

Insbesondere die von Mitte Februar bis Dezember mögliche viertägige Fahrt in Pirogen, den aus einem einzigen Baumstamm gefertigten, bis zu zwölf Meter langen Booten, ist ein Geheimtip für Urlauber, die die viertgrösste Insel der Welt abseits ausgetretener Touristenpfade intensiv kennenlernen möchten. Ausgangspunkt und erster Treffpunkt der bunt gemischten Reisegruppe, bestehend aus Madagassen, Deutschen (darunter Doris Oberkircher-Apffel und Margarete Lodes aus Zweibrücken), Italienern, Franzosen, einer Holländerin, einer Österreicherin und einem Briten ist die Edelsteinmetropole Antsirabe, 170 Kilometer südlich der Hauptstadt Antananarivo. Genauer das Restaurant "Manambina" (bedeutet "Glück") des Idar-Obersteiner Edelsteinhändlers Dieter Heiderich und seiner einheimischen Lebensgefährtin Liliane Harilalao. Die bevorstehende neuntägige Tour, die Teamgeist erfordert, wird besprochen. Die Stimmung ist gut, die Vorfreude gross. Die Teilnehmer einigen sich auf Englisch als gemeinsamen sprachlichen Nenner.

Mit einem Buschtaxi, dem landestypischen Fortbewegungsmittel, auf dessen Dach sich Gepäck und Ausrüstung gen Himmel türmen, geht es auf guter Strasse ins 220 Kilometer entfernte Miandrivazo, einem verlassenen Nest ohne besondere Attraktionen. Unterwegs wird der Ratschlag von Klaus Sperling befolgt, Strohhüte direkt beim Hersteller zu kaufen, die Schutz vor der sengende Sonne bieten werden.

Am Flussufer wartet bereits Chef-Pirogier Johary Georget (48) vom Volksstamm der Antaisaka an der Ostküste, mit dem Klaus Sperling seit einigen Jahren gut zusammenarbeitet. Jeder andere wäre sicher angesichts der gewichtigen Passagiere und des Gepäckberges ins Grübeln geraten, doch Johary und seine Kollegen sind wahre Künstler im Verstauen. 700 Kilogramm und mehr könne eine Piroge locker befördern, erzählt der erfahrene Bootsfuehrer. Zwischen fünf und 15 Jahren, je nach Holzart, Bauqualität und Wartung, werde ein solches Boot eingesetzt, das immerhin rund eine Million Franc Malagasy (umgerechnet 150 Euro) kostet. Die Rucksäcke bilden die Rückenlehnen für die Passagiere. Sperling teilt Sonnenschirme und - als besonderen Clou - Sitzkissen, aus. Dann kann das 21-köpfige Team in "See" stechen. "Bonjour, Klaus", der Bad Dürkheimer ist in der Gegend fast so bekannt wie der sprichtwörtliche bunte Hund. Seine allererste Tour machte er 1997 mit einem Schweizer und seinem besten Freund Hubert Simons aus Sitters bei Alsenz.

In einem kleinen Dorf des Volksstammes der Sakalava scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Nicht umsonst sagt man von Madagaskar, dass dieses Land irgendwie aus der Zeit gefallen sei. Stress, Hektik oder Mobbing sind hier Fremdwörter. Ein beschauliches Leben am Fluss ohne Höhepunkte oder viel Abwechslung, aber auch ohne grosse Zukunftschancen für die vielen Kinder. Wer hier geboren wird, stirbt meist auch hier. "Ich könnte durchaus hier leben," bekennt Klaus Sperling im Brustton der Überzeugung und merkt schmunzelnd an, "wenn ich Internet hätte."
Eine Dusche unter einem stattlichen Wasserfall am zweiten Reisetag, Picknick unter mächtigen Mangobäumen, zelten auf kilometerlangen Sandbänken, Lagerfeuerromantik unter südlichem Sternenhimmel, exotische Früchte bis zum Abwinken, frische Tilapia oder Karpfen aus dem Fluss und der einheimische Rum, der abends nach dem gemeinsamen Lageraufbau serviert wird - für alles ist bestens gesorgt. Tagsüber kreisen schwarze Milane am Himmel, Fisch-, Kuh- und Seidenreiher, Eisvögel, Gabelschwanzdrongos, Kaptäubchen, Bienenfresser, Vasa-Papageien oder Grauköpfchen sind ständige fliegende Begleiter. Lediglich Krokodile, die es hier geben soll und die gejagt werden, halten sich vornehm zurück und bleiben in ihren Verstecken. Schildkröten erweisen sich, ähnlich wie die Touristen, als wahre Sonnenanbeter. Ein stattliches Chamäleon im Ufergebüsch erlebt wohl das erste Blitzlichtgewitter seines Lebens.

Ansonsten durchbricht lediglich das gleichmässige Eintauchen der Paddel ins brauntrübe Wasser die wohltuende Stille. De Passagiere können ihren Gedanken nachhängen, das italienische Pärchen, Corrado und Caecilia, geniesst seine Hochzeitsreise, alle können einmal richtig entspannen und die Seele baumeln lassen. Doch dann: Schon von weitem ist das Knattern altersschwacher Dieselmotoren zu hören. Motorboote, die an Seelenverkäufer erinnern, haben in jüngster Vergangenheit - leider - diesen Teil der Welt erobert und stören mit ihrem Lärmpegel die Idylle empfindlich. Wer hier mitfährt, der sollte auf jeden Fall Ohrenschützer mitnehmen. Klaus Sperling: "Ich steige nicht um, bleibe meiner sanften Art zu reisen, weiter treu."

Die Landschaft wechselt stetig, von Savanne über Tabakplantagen, Reisfelder, Steilufer, tonnenschweren Felsblöcken, in deren Nischen Fledermäuse kopfunter hängen und blütenweisse Reiher nisten, bis zu Galeriewäldern und Sandbänken, soweit das Auge reicht. Die Zeburinder, in Madagaskar Arbeitstiere und Statussymbol zugleich, sind auch hier allgegenwärtig. Dann tauchen am Horizont die ersten, bis zu 30 Meter hohen Baobabs auf, die aussehen, als wären sie mit den Wurzeln nach oben in die Erde gerammt worden. Wenige Stunden vor Ankunft in Belo sur Tsiribihina dann endlich mehrere Lemurengruppen in kürzeren Abständen: Braune Halbaffen und die eleganten Sifakas, die bis zu sieben Meter weite Sätze machen können. "Ein tolles Naturerlebnis," bringen Margarete Lodes und Doris Oberkircher-Apffel aus Zweibrücken die Begeisterung der Gruppe auf den Punkt.

Im Örtchen Begidro ("dort, wo es viele Lemuren gab") wohnt die Mutter eines Pirogenführers, der ihr eine wärmende Wolldecke für die kühlen Nächte mitbringt. Klaus Sperling kauft in jedem Dorf, in dem Halt gemacht wird, etwas ein, auch wenn es teurer ist als in den Städten und "egal, ob ich es gerade brauche oder nicht. Die Bewohner sollen merken, dass wir nicht nur zum Fotografieren hierher kommen." Geschenke gibt es ganz bewusst keine, somit auch keine lästige Bettelei, wie in manchen Touristenhochburgen der Insel.

Wo Wasser in der Nähe ist, da gibt es meist auch Piraten. Dies ist bei den Flussfahrtanbietern nicht anders. Am Flughafen in der Hauptstadt Antananarivo oder auch in Antsirabe gibt es Schlepper ohne entsprechende Lizenz, die Touristen das Blaue vom Himmel versprechen und - schon des öfteren geschehen - dann mit einem Vorschuss auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Die Enttäuschung ist dann natürlich riesengross. Nachdem vor einigen Jahren sogar ein Franzose, der unbedingt auf eigene Faust das Flussabenteuer erleben wollte, von einem Pirogier umgebracht wurde, muss seitdem jede Tour mit den Namen der Teilnehmer und den Ausweisnummern in Miandrivazo bei der Behörde angemeldet werden. Nach der Rückkehr erfolgt dann die Gegenkontrolle. Dringend erforderliche Bestrebungen sollten unbedingt gefördert werden, die vielen zwielichtige "Führer" ausnahmslos zu überprüfen, die enormen Schaden anrichten können, zudem keine Genehmigung besitzen und auch keinerlei Steuern zahlen.

Nach einer Nacht in einem weichen Bett beim Griechen (sehr gute Küche!) in Belo sur Tsiribihina wartet am Morgen die nächste, das Sitzfleisch strapazierende Herausforderung auf die Gruppe. Von Belo bis zu den Tsingy sind es zwar nur rund 100 Kilometer, doch die haben es in sich. Durchgehend Piste, nur mit Allrad-Fahrzeugen zu bewältigen, die in Morondava angefordert werden müssen. In der Trockenzeit sind die meisten Wasserlöcher gut befahrbar. Doch der letzte, langgestreckte Tümpel kann für Mensch und Maschine Probleme mit sich bringen. Dort warten bereits madagassische Wegelagerer, die im Verdacht stehen, zu nächtlicher Stunde das Loch tiefer zu graben, um dann am nächsten Morgen hilfreich steckengebliebene Touristenautos - natürlich gegen horrendes Honorar - hilfreich aus dem Sumpf zu schieben. Der Förderung des wieder aufkeimenden Pflänzchens Tourismus sind solche Methoden sicher nicht förderlich.

Ein kurzes Übersetzen mit einer klapprigen Fähre über den Manambolo und der Zeltplatz ist erreicht. Der Name Tsingy kommt vom Wort "mitsingy" und bedeutet "auf Zehenspitzen gehen". Dies wird bei der mehrere Kilometer langen Wanderung beziehungsweise Kletterpartie dann auch augenscheinlich. Die bis zu 70 Meter hohen Karstkalkformationen sind äusserst scharfkantig und spitz. Wasser, Wind und Wetter haben hier über Jahrmillionen eine phantastische Landschaft mit Grotten, Kathedralen, Höhlungen etc. geschaffen. Meterlange Wurzeln, die von den Höhen durch Ritzen wasserführende Schichten im Erdreich suchen, schmale Stiege, Hängebrücken, steile Leitern, Kriechhöhlen und enge Gänge, die zum schnellen Abnehmen zwingen, erfordern alle Sinne und Muskelpatien. Aus Sicherheitsgründen werden die Bezwinger der Tsingy des öfteren angeseilt. Offizielle Führer, deren Leistungsstand trotz eines mehrjaehrigen Ausbildungsprogramms seitens der Parkverwaltung sehr unterschiedlich ist, begleiten die Besucher durch das Labyrith. Francois, Zafera und Mara sind die besten "guide", doch ein Rundlaufsystem der Führer verhindert oft, dass man diese auch bekommt. Klaus Sperling hat die jungen Leute in den vergangenen Jahren allesamt getestet, doch auch er muss immer noch jene aus der 23-köpfigen Gilde nehmen, die zugeteilt werden.

Die UNESCO hat den 157710 Hektar grossen Park, der bereits seit 1927 Naturschutzgebiet, aber erst seit Ende 1997 Nationalpark ist, 1990 in ihre Liste des Weltkulturerbes der Menschheit aufgenommen, das es auf jeden Fall zu erhalten gilt. Für Margarete Lodes, Biologie- und Chemielehrerin aus dem pfälzischen Zweibrücken, stellt auch dieser Teil der Insel eine reiche Fundgrube dar. Es handele sich hier um ein Korallenriff, das beim Auseinanderdriften der Kontinente vor Jahrmillionen hochgekommen und dann abgetragen wurde. Die Reste der Kalkgerüste der Korallen bildeten heute den Lebensraum für eigentümliche Pflanzen und Tiere, weiss die weitgereiste Pädagogin.

Wer sich über die Tour bei Klaus Sperling informieren möchte, kann dies gerne tun: E-Mail: roadhouse voyages Internet: http://www.tsiribihina-tsingy.de

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